Ausgezogen zieht an
Riesen-Erfolg für die Männer-Striptease-Komödie "Ladies'
Night" am Borchert
"Kommense rein, sehense nackisch!", locken rosafarbene Plakate vor dem Wolfgang
Borchert Theater in Münster. Ausgezogen zieht an. Das Haus ist zur Premiere der
Postemanzipations-Komödie "Ladies' Night" am Donnerstag ausverkauft.
Die Männer in diesem Stück von Stephen Sinclair und
Anthony McCarten haben selbst nichts, und trotzdem wollen alle was von ihnen. Die Ex
fordert Alimente für den Sohn, die Ehefrau den Skiurlaub, der Wirt die Zeche. Ihr
Refugium ist das Hinterzimmer einer Kneipe, in dem lange Pokalreihen von vergangenen
Zeiten träumen lassen (Ausstattung: Stephan F. Rinke). Geld muss her, und Energiebündel
Harry weiß, wie: Striptease! Und zwar "ganz oder gar nicht" - wie soll man
sonst die Frauen locken?
Das Problem: Noch nicht einmal Projektbegründer Harry
(erstklassig: Oliver Becker) traut sich, das Hemd zu lupfen. Anzugträger Gerhard (Gerold
Ströher) macht sich Sorgen um gewisse Ausmaße, und auch der korpulente Bert,
bodenständig verkörpert von Mario R. H. Scheel, mag seinen "Berti" nicht
zeigen. Kurt, süß und verlegen gespielt von Konrad Haller, will sich sowieso lieber
umbringen.
Ein gemeinsames Probe-Ausziehen ist ein Fiasko. Die Körper
sind untrainiert, die Unterhosen hässlich. Und die Zeit drängt. So wird das nie was! Wie
auch? Die vier Ruhrpott-Machos wissen nicht einmal, was Frauen überhaupt wollen. Mann
braucht Verstärkung, die sich auskennt.
Regisseur Markus Baumhaus baut langsam die Spannung auf,
während er die Charaktere formt und Sympathie aufkeimen lässt. Doch dann treibt Musik
von Madonna und Robbie Williams das Geschehen rasant voran, als die Retter ins Spiel
eingreifen. Der schauspielambitionierte Guido (Philipp Sebastian), schwul und unverklemmt,
und eine, die weiß, wo's lang geht: Gabriela, die kühle Rotlicht-Lady (Anja Bilabel als
abgebrühte 23-Jährige). Sie bringen die Jungs auf Trab.
Ja, und dann tun sie es wirklich in der
mitreißenden Choreografie von Olatz Arabaolaza. Die letzte Faser fällt, das Bühnenlicht
dämmert dahin. Das Publikum johlt, kreischt, pfeift, klatscht sich in Ekstase. Sie
haben's geschafft. Das Schöne dabei: "Nackisch" landen sie nicht ganz unten,
sondern ganz oben.
Ines Vogel / Münstersche Zeitung